Diesmal geht es nicht um eine virale Behauptung, die widerlegt werden muss, sondern um eine wirklich interessante neue Studie, die still und leise eine gaengige Erklaerung dafuer umstoesst, warum wir die Entscheidungen treffen, die wir treffen.
Die Studie
Veroeffentlicht 2025 in Communications Psychology, einer Nature-Zeitschrift, fuehrten Forschende der TU Dresden und der Universitat Tuebingen neun neue Entscheidungsexperimente mit 351 Personen durch und werteten sechs bereits veroeffentlichte Studien mit weiteren 350 Teilnehmenden neu aus. Ueberall bestaetigte sich das Muster mit starker statistischer Absicherung.
Was sie fanden
Menschen neigen dazu, Optionen zu bevorzugen, die sie zuvor haeufiger gewaehlt haben, selbst beim Vergleich von Optionen mit gleichem tatsaechlichem Wert, und selbst in einem voellig neuen Kontext, in dem die alte Wahlhistorie eigentlich keine Rolle spielen sollte. Das blosse Wiederholen einer Wahl macht dich anfaelliger dafuer, sie spaeter erneut zu treffen, unabhaengig davon, ob sie jemals die objektiv bessere Option war.
Warum das wichtig ist
Jahrelang wurde diese Art von Entscheidungsverzerrung mit "Wertnormalisierung" erklaert, der Idee, dass dein Gehirn im Hintergrund ausgefeilte Berechnungen anstellt, die Werte von Optionen relativ zu allem anderen in einem gegebenen Kontext vergleicht und neu skaliert. Diese Studie schlaegt etwas viel Einfacheres vor: Du machst keine komplexe Wertberechnung, du baust eine Wiederholungsgewohnheit auf. Jedes Mal, wenn du etwas waehlst, erhaelt diese bestimmte Handlung einen kleinen Schub in deiner inneren Praferenz, unabhaengig von der Belohnung, die sie dir gebracht hat. Ueber neun Aufgaben und sechs unabhaengige Datensaetze hinweg erklaerte dieses einfache Wiederholungsmodell die Entscheidungen der Menschen besser als die komplexeren Wertvergleichsmodelle.
Eine vorsichtige Bruecke, keine Behauptung
Die Studie selbst hat weder autistische Menschen noch ADHS-Gehirne oder irgendeine klinische Gruppe getestet, sie nutzte eine allgemeine Erwachsenenstichprobe. Aber der beschriebene Mechanismus, etwas zu waehlen, weil man es schon einmal gewaehlt hat, unabhaengig vom tatsaechlichen Wert, erinnert an Erfahrungen, die autistische Menschen und Menschen mit ADHS oft beschreiben: einen starken Zug zu Routine und Gleichbleibendem, oder das Steckenbleiben in einem Wahlmuster, das einem nicht mehr gut dient. Das ist eine plausible, ehrliche Verbindung, die es wert ist, bekannt zu sein, nicht etwas, das diese konkrete Studie ueber neurodivergente Gehirne bewiesen hat.
Fazit
Eine echte, gut abgesicherte Studie bietet eine einfachere, elegantere Erklaerung dafuer, wie Gewohnheiten still unsere Entscheidungen steuern, unabhaengig vom Wert. Wenn Routine und Wiederholung sich in deinen eigenen Entscheidungen wie eine starke Kraft anfuehlen, liefert diese Forschung ein echtes, gut getestetes Puzzleteil dafuer, warum.
Wenn du deinen eigenen Neurotyp besser verstehen willst, sind unsere kostenlosen ADHS- und Autismus-Tests ein Ausgangspunkt, keine Diagnose.
Quelle: Wagner, B.J., Wolf, H.B. und Kiebel, S.J., "Action repetition biases choice in context-dependent decision-making," Communications Psychology (2025). Bildungszusammenfassung, keine Diagnose oder medizinische Beratung.