Eine haufige Sorge bei neurodivergenten Erwachsenen ist, ob ADHS oder Autismus das Gehirn schneller altern lassen und das Risiko fur spateren kognitiven Abbau erhohen konnten. Eine grosse Neuroimaging-Studie, veroffentlicht 2026 in PLOS Medicine, hat genau diese Frage bei neun verschiedenen Gehirnerkrankungen getestet - und fand keinen Beleg fur beschleunigte Gehirnalterung, weder bei ADHS noch bei Autismus.
Wie Forscher das "Gehirnalter" gemessen haben
Ein Team der Universitat fur Luft- und Raumfahrt Nanjing analysierte strukturelle MRT-Scans von 45.900 gesunden Erwachsenen und 2.698 Patienten mit einer von neun Erkrankungen und betrachtete dabei 1.016 verschiedene Hirnregionen. Sie trainierten ein maschinelles Lernmodell an der gesunden Kohorte, um das Alter einer Person allein aus dem Gehirnscan vorherzusagen, und wendeten dieses Modell dann auf die Patientengruppen an. Die Abweichung zwischen dem vorhergesagten Gehirnalter einer Person und ihrem tatsachlichen chronologischen Alter wird als Predicted Age Difference (PAD) bezeichnet - eine positive PAD bedeutet, dass das Gehirn alter aussieht, als es fur dieses Alter sein sollte, was Forscher als Marker fur beschleunigte Gehirnalterung nutzen.
Was beschleunigte Alterung zeigte - und was nicht
Die Ergebnisse zeigten eine klare Hierarchie. Die Alzheimer-Krankheit zeigte mit Abstand den grossten Effekt, gefolgt von Tabaksucht, Alkoholsucht, Schizophrenie, bipolarer Storung, leichter kognitiver Beeintrachtigung und schwerer Depression - alle mit statistisch signifikanter beschleunigter Gehirnalterung. ADHS und Autismus hoben sich von diesem Muster ab: beide zeigten praktisch keine Abweichung von typischen Alterungsverlaufen.
Warum das wichtig ist (und was es nicht bedeutet)
Das bedeutet nicht, dass ADHS- und autistische Gehirne mit neurotypischen Gehirnen identisch sind - jahrzehntelange Neuroimaging-Forschung dokumentiert echte strukturelle und Konnektivitatsunterschiede bei beiden Bedingungen. Diese Studie legt nahe, dass diese Unterschiede nicht dasselbe sind wie vorzeitige Alterung. Die mit ADHS und Autismus verbundenen Gehirnveranderungen scheinen eine andere Art von Unterschied zu sein als das Verschleissmuster, das bei neurodegenerativen Erkrankungen, Sucht oder manchen anderen psychiatrischen Erkrankungen zu sehen ist. Diese Unterscheidung ist wichtig, denn "anders" mit "altert schneller" zu verwechseln kann unnotige Sorge vor einem kunftigen kognitiven Abbau schuren, den diese Daten nicht stutzen.
Einschrankungen, die man im Blick behalten sollte
Die Studie nutzte Querschnittsdaten - ein einzelner Scan pro Person, verglichen uber grosse Gruppen hinweg - statt dieselben Personen uber Jahre zu verfolgen. Das heisst, sie kann nicht zeigen, wie sich die Gehirnalterung im Laufe des Lebens einer einzelnen Person entwickelt, nur wie sich Gruppendurchschnitte zu einem Zeitpunkt vergleichen. Langsschnittstudien, die dieselben Menschen uber Jahrzehnte begleiten, waren notig, um zu bestatigen, ob sich dieses Muster mit zunehmendem Alter halt.
Was man mitnehmen sollte
Wenn du ADHS oder autistisch bist und dir Sorgen um deine langfristige Gehirngesundheit gemacht hast, bietet diese Forschung echte Beruhigung, auch wenn das grossere Bild davon, wie sich diese Bedingungen im Gehirn zeigen, noch kartiert wird. Mehr zur Biologie hinter diesen Bedingungen findest du in unseren Artikeln uber Autismus-Gene und Gehirn-Pfade und AuDHD, oder mach unsere kostenlosen Screenings zu ADHS und Autismus AQ-10.
Quellen: Studie zur Vorhersage des Gehirnalters bei neun Erkrankungen, PLOS Medicine (2026), geleitet von Forschern der Universitat fur Luft- und Raumfahrt Nanjing; Berichterstattung via Technology Networks. Bildungsinhalt - keine Diagnose oder medizinische Beratung.