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AQ-10: So verstehen Sie Ihren Wert und den Grenzwert von 6

Wie der AQ-10 ausgewertet wird, was der Grenzwert von 6 bedeutet, warum Studien so unterschiedliche Zahlen liefern und was Sie nach Ihrem Ergebnis tun können.

FindYourNeurotype Team 2 November 2026 4 Min. Lesezeit

Ein Wert von 6 oder mehr im AQ-10 bedeutet nicht, dass Sie autistisch sind. Er zeigt, dass eine spezialisierte Abklärung sinnvoll sein kann. Ein niedrigerer Wert schließt Autismus aber auch nicht aus.

Was ist der AQ-10?

Der AQ-10 ist ein Kurzfragebogen zu autistischen Merkmalen bei Erwachsenen. Seine 10 Fragen stammen aus dem Autism Spectrum Quotient, einem Fragebogen mit 50 Fragen, der an der Universität Cambridge entwickelt wurde.

Carrie Allison, Bonnie Auyeung und Simon Baron-Cohen haben diese Kurzfassung 2012 veröffentlicht. Sie sollte Fachleuten in der Erstversorgung helfen zu entscheiden, ob sie eine Person zu einer vollständigen Diagnostik überweisen. Ein Diagnoseinstrument ist sie also nicht.

Wie wird der Wert berechnet?

Jede Frage ergibt 0 oder 1 Punkt. Sie bekommen den Punkt, wenn Ihre Antwort in Richtung eines autistischen Merkmals geht, egal ob Sie „etwas“ oder „voll“ zustimmen (oder nicht zustimmen, je nach Frage). Der Gesamtwert liegt zwischen 0 und 10.

Der AQ-10-Test von Find your neurotype nutzt diese offizielle Auswertung: Ihr Wert liegt zwischen 0 und 10, und die höchste Stufe beginnt beim Grenzwert von 6.

Was bedeutet ein Wert von 6 oder mehr?

Das ist der Grenzwert, den die Autorinnen und Autoren des AQ-10 gewählt haben. Seit Juni 2021 hält auch das NICE, die britische Behörde für Gesundheitsleitlinien, fest, dass ab einem Wert von 6 eine umfassende Diagnostik angeboten werden soll.

Diese Zahl hilft, über einen nächsten Schritt zu entscheiden, nicht, ein Urteil zu fällen. Das NICE sieht außerdem vor, dass auch die klinische Einschätzung und die Vorgeschichte der Person eine Diagnostik rechtfertigen können.

Wenn Sie anderswo lesen, der Grenzwert liege bei 7, geht das auf eine ältere Formulierung des NICE zurück („über 6“), die 2021 korrigiert wurde. Eine Auswertung von 2025 über 25 Forschungsdatensätze (13.692 Teilnehmende) zeigt, wie viel dieser eine Punkt ausmacht: 36,8 % der Personen, die mit der Regel „6 oder mehr“ über dem Grenzwert lagen, hatten genau 6 und würden bei einem Grenzwert von 7 darunter fallen.

Warum sich die Studien zu widersprechen scheinen

Zwei oft zitierte Studien kommen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen, weil sie den Fragebogen nicht an denselben Menschen geprüft haben.

StudieVerglichene PersonenErkennt autistische Personen (Sensitivität)Schließt nicht autistische Personen aus (Spezifität)
Allison et al., 2012449 autistische Erwachsene und 838 Kontrollpersonen88 %91 %
Ashwood et al., 2016425 Erwachsene, die bereits an eine Spezialambulanz überwiesen waren (AQ-10-Wert aus ihren Antworten im AQ-50 berechnet)77 %28 %

In der ersten Studie sollte der Test bereits diagnostizierte Personen von Kontrollpersonen unterscheiden. Das ist die günstigste Situation.

In der zweiten waren alle bereits wegen Verdacht auf Autismus überwiesen worden. Dort unterschied der Fragebogen sehr schlecht zwischen denen, die am Ende eine Diagnose erhielten, und den anderen. Insgesamt erhielten 73 % der Teilnehmenden eine Diagnose. Über dem Grenzwert steigt der Anteil auf 76 %, aber etwa zwei Drittel der Personen unter dem Grenzwert wurden ebenfalls diagnostiziert.

Was das für Sie bedeutet

Was ein Wert aussagt, hängt von Ihrer Ausgangslage ab, wie diese zwei Fälle zeigen.

Sie machen den Test aus Neugier. Nehmen wir 1.000 Erwachsene, die für Erwachsene in England geschätzte Häufigkeit von 1,1 % und die sehr günstigen Zahlen von Allison. Etwa 10 autistische Personen würden über dem Grenzwert liegen, aber auch etwa 89 nicht autistische Personen. In dieser theoretischen Rechnung gehörte nur einer von zehn hohen Werten zu einer autistischen Person.

Sie stellen sich die Frage schon lange. Ein niedriger Wert reicht nicht, um das Thema abzuschließen, wie die Studie von Ashwood zeigt. Ihre Autorinnen und Autoren weisen außerdem darauf hin, dass eine generalisierte Angststörung den Wert erhöhen kann, ohne dass Autismus vorliegt.

Was tun nach Ihrem Ergebnis?

  1. Wenn Ihr Wert hoch ist und Schwierigkeiten anhalten: Sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt. Sie können Sie an eine Psychiaterin oder einen Psychiater, an eine in Autismus erfahrene psychotherapeutische Praxis oder an eine spezialisierte Diagnostikstelle für Erwachsene überweisen.
  2. Wenn Ihr Wert niedrig ist, der Zweifel aber bleibt: Bleiben Sie nicht bei dieser Zahl stehen. Notieren Sie, was Sie beschäftigt, und holen Sie trotzdem eine fachliche Meinung ein.
  3. In beiden Fällen: Notieren Sie konkrete Beispiele aus Ihrem Alltag und Ihrer Kindheit. Ein Mensch, der Sie schon lange kennt, kann ebenfalls helfen.

Auf eine Diagnostik muss man oft lange warten. Unser Ratgeber zur Wartezeit auf eine ADHS- oder Autismus-Diagnostik erklärt, was Sie in der Zwischenzeit sinnvoll tun können.

Welcher Test als Nächstes?

  • AQ-10-Test: eine schnelle erste Einschätzung, in 3 Minuten.
  • AQ-50-Test: ein genaueres Profil mit fünf Teilwerten.
  • CAT-Q-Test: misst das Maskieren, nützlich, wenn Ihr Wert weit von dem entfernt scheint, was Sie erleben.

Diese Fragebögen dienen der Selbsteinschätzung. Nur eine dafür ausgebildete Fachperson kann eine Diagnose stellen.

Quellen

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