Der Schmerz, der allem widersteht
Jahre der Physiotherapie, Schmerzmittel, Lebensstilanderungen. Nichts hilft dauerhaft. Arzte finden keine klare Ursache. Was, wenn das fehlende Stuck nicht korperlicher, sondern neurologischer Natur ware?
Eine Studie der Universitat Tokyo aus dem Jahr 2026 untersuchte 958 erwachsene Patienten in Behandlung fur chronische Schmerzen in 13 multidisziplinaren Schmerzzentren in Japan. Die Ergebnisse stellen das bisherige Verstandnis chronischer Schmerzen in Frage.
Die Studie: 13 Zentren, 958 Patienten
Veroffentlicht in Scientific Reports (Nature), wurden alle Patienten mit validierten Instrumenten auf ADHS- und Autismusmerkmale untersucht.
- 17,1% der Schmerzpatienten positiv auf ADHS-Merkmale - gegenuber 5-7% in der Allgemeinbevolkerung: 2,4-mal wahrscheinlicher.
- 27,4% der Patienten mit extrem starken Schmerzen positiv auf ADHS-Merkmale.
- Autismusmerkmale: 4,4% positiv, aber kein signifikanter Zusammenhang mit der Schmerzstarke in dieser Studie.
Der Mechanismus: nicht direkt, aber verstarkt
ADHS verursacht chronische Schmerzen nicht direkt. Die Daten zeigen jedoch einen klaren Weg:
ADHS-Merkmale ? Angst und Depression ? Schmerzkatastrophisierung ? verstarkte Schmerzwahrnehmung
Die emotionale Dysregulation bei ADHS und die Schwierigkeit, die Aufmerksamkeit von negativen Reizen abzulenken, nahren diesen Kreislauf direkt.
Die meisten Erwachsenen mit ADHS wissen es nicht
ADHS bleibt bei Erwachsenen weitgehend unterdiagnostiziert. Viele Patienten in Schmerzkliniken wurden nie auf neurodevelopmentale Storungen untersucht.
Was das fur die Behandlung bedeutet
Diese Studie behauptet nicht, dass die Behandlung von ADHS chronische Schmerzen heilt. Sie legt aber nahe: Neurodevelopmentales Screening sollte Teil der Schmerzdiagnostik sein. Therapien zur emotionalen Regulation konnten die Standardbehandlung erganzen.
Ein wichtiger Vorbehalt
Dies ist eine Beobachtungsstudie, die Assoziationen, keine Kausalitat zeigt. Die Ergebnisse sind jedoch konsistent mit wachsenden Belegen fur eine haufige Komorbiditat von ADHS und chronischen Schmerzen.
Quelle: Kondo et al. (2026). Scientific Reports. DOI: 10.1038/s41598-026-45300-y